Samstag, 21. Mai 2011

"Endlich Brüste, wann immer du willst!"

Die deutsche Werbelandschaft befindet sich im Wandel. Und dieser Wandel scheint zu nichts Gutem zu führen.

Zwischen Faulheit, unbegründeter Tiefgründigkeit und einem neuen Niveau an Unkreativität tun sich sowohl neue Abgründe als auch neue Felsen in der Brandung auf.

Während Werbungen einerseits überromantisiert tiefgründig werden, nehmen sie andererseits an Logik und Zusammenhang stark ab.

Beginnen wir mit den erfreulicheren Werbespots, die uns zur Zeit um die Ohren gepfeffert werden:

Die neue Passatwerbung mit dem kleinen Darth Vader, der mithilfe der Macht so dies und das versucht, hat mit mir sicher nicht den einzigen Fan. Ich mag die Idee, obwohl es so scheint, als sei der einzige Vorteil an diesem Wagen die Sache mit der ferngesteuerten Zentralverriegelung, die ja nicht unbedingt eine Erfindung des letzten Jahrzehnts ist. Dennoch macht der Film viel Spaß und, was viel wichtiger ist, nervt nicht, auch wenn man ihn bereits zwanzig Mal gesehen hat.
Falls ihr die eingebundenen Videos nicht sehen könnt (oder wollt), fasse ich noch einmal zusammen, was in den einzelnen Filmen passiert.

In diesem hier versucht ein als Darth Vader verkleidetes Kind, verschiedene Dinge "die Macht" spüren zu lassen. Wer nicht weiß, was "die Macht" ist, hat keinen Star Wars-Film gesehen und braucht nicht unbedingt weiter drüber nachzudenken, denn derjenige kapiert den Witz der Werbung vermutlich ohnehin nicht. Jedenfalls hat der Zwerg nicht sonderlich viel Erfolg, bis sein Vater nach Hause kommt. Denn Vati fährt den neuen VW Passat und steht in der Küche, in der Hand die Fernbedienung für die Zentralverriegelung des Autos und macht seinem Kind die Freude, selbige zu benutzen, wodurch in dem Moment, in dem der Vaderminiklon sich auf das Auto konzentriert, die Scheinwerfer aufleuchten, was für das Kind selbstverständlich ein absolutes Erfolgserlebnis ist, denkt dieses doch, es hätte tatsächlich irgendetwas telepathisches bzw. telekinetisches bewirkt.


Positive Kritik verdient auf jeden Fall auch die startsocial-Werbung, die zwar nicht unbedingt neu, dafür aber umso großartiger ist.

In diesem Clip sieht man einen Mann mit Flügen, in der christlichen Mythologie gemeinhin auch als Engel bekannt, der so seine Schwierigkeiten mit den Flügeln hat. Hunde beißen hinein, an Rolltreppen bleibt er damit hängen, im Kino wird er mit Popcorn beworfen, weil seine Flügel den anderen die Sicht nehmen, etc. Der Film endet mit dem Satz: "Es ist nicht leicht, ein guter Mensch zu sein. startsocial hilft Ihnen dabei. Bewerben Sie sich mit Ihrer sozialen Idee." Und dann erscheinen Logo und Webadresse. (www.startsocial.de)

Es ist schön, zu sehen, dass es noch Werbefilmmacher gibt, die es schaffen, mit ihrem Werk auszusagen, was sie aussagen wollen. Ich glaube, ich habe noch keinen Film gesehen, der inhaltlich so viel mit dem Produkt/der Dienstleistung/etc. zu tun hat, wie es angebracht ist.
Auch ist der Spot im Allgemeinen recht schön gestaltet, sowohl grafisch als auch musikalisch passt alles zueinander. Daumen hoch dafür.




Nun kommt ein Lob von mir für einen Netzbetreiber. Abgesehen davon, dass Vodafone nachweislich tatsächlich das beste Netz Deutschlands bietet, finde ich die Werbefilme des Netzbetreibers in den letzten Jahren immer recht schön.
Zugegeben, häufig haben sie nichts mit Netzen, Tarifen oder sonstigen Vertragsinhalten von Vodafone zu tun, doch ist die Bildsprache der Clips recht angenehm und auch die Vertonung gelingt ihnen häufig. Gut, das Lied des Vorgängers der aktuellen Werbung mag so einige inzwischen nerven, doch ich fand es passend und ich muss auch sagen, dass die letzte Vodafonewerbung inhaltlich gar nicht mal so schlecht war. Die neue hat ja mit einem Handynetz recht wenig zu tun. Ich mag sie trotzdem.


Schwierig, zu beschreiben, worum es in diesem Film geht, da er, wie bereits erwähnt, mit dem Netzbetreiber an sich nichts zu tun hat. Im Grunde sieht man nur Leute durch die Gegend rennen und Ladebalken. Aber eben alles recht hübsch gestaltet.

In folgendem Film, den ich irgendwann vor Kurzem auf VOX sah (selbstverständlich in deutscher Sprache), versucht ein Igel erst mit einem 08/15-Schwamm Liebe zu machen, was ihm nicht sonderlich gut zu gefallen scheint und anschließend mit einem Spontexschwamm, was ihm viel mehr Spaß macht, weswegen die "Liebesszene" zwischen Igel und Schwamm direkt viel intensiver und romantischer wird.


Obwohl diese Werbung sehr niedlich ist, verstehe ich sie nicht ganz. Inwiefern ist das Urteil eines Igels über die Qualität eines Schwammes aussagekräftig?
Egal, netter Film, süße Idee, Lob für Spontex.

Die letzte positive Kritik für heute hat sich IKEA verdient. IKEA-Werbungen sind über die Zeit immer recht gut gewesen, es gibt nur wenige Ausnahmen. So auch die aktuelle, die für eine teenagersichere Einrichtung wirbt, indem sie eine im Film 15-Jährige zeigt, deren Eltern ihr nicht erlauben, auf ein Festival zu gehen und deren Bruder sich über sie lustig macht. Eben jenes Mädchen versucht ihrem Ärger über das Verbot der Eltern Luft zu machen, indem sie mit Schranktüren und Schubladen knallen möchte. Dies gelingt ihr aber nicht, weil es eine IKEA-Küche ist und nichts knallt, da sich alle Türen und Schubladen lautlos und sanft schließen.
Gelungen.
Ebenso der andere zur Zeit laufende IKEA-Spot, in dem das junge Paar zusammenzieht und mit der Einrichtung die Eltern aus den Socken haut, da diese ein Chaos aus Obst- und Gemüsekisten erwartet hätten, stattdessen jedoch eine schön eingerichtete Wohnung vorfinden, in der die einzige Obstkiste tatsächlich für Obst genutzt wird. Ist aber auch nunmal so, dass IKEA-Möbel wirklich toll sind. Jedoch: Nur, um sicher zu gehen, dass es angekommen ist:
Wieder einmal sehr gut gemacht, IKEA! Weiter so!


Nun zu den eher grausig-grusligen Werbefilmen, die man neben den wenigen guten in einer viel höheren Anzahl und leider auch Frequenz zu ertragen hat, wenn man regelmäßig fern sieht.

Fangen wir mal bei einem Ungetüm von Spot an. Kinder hat ja aufgrund des 18jährigen Jubiläums in den vergangenen Monaten seine Schokobons personifiziert und animiert, um uns nun diesen Mist in Gesicht prügeln zu können:
Diese Werbung ergibt keinen Sinn, sie nervt bereits beim ersten Ansehen und sollte nie wieder öffentlich gezeigt werden. Deswegen belasse ich es hierbei aus bei der Einbettung des Videos und erwähne nicht weiter, was darin passiert. Ich möchte es einfach verdrängen.

Tanzende, animierte und dazu zumeist noch recht unschön gestaltete Figuren werden leider auch von Coke Light noch allzu gern benutzt. Obwohl ich hier wirklich mal sagen muss, dass die Kreativitätslosigkeit der Entwickler der Coke Light-Werbespots eine neue Spitze erreicht hat.
Ich weiß nicht, ob ich es traurig oder dreist finden soll, aber der aktuelle Werbefilm war so schonmal da, nur damals in sinnvoll.
Da ich hierzu leider keinen YT-Link finde, erzähle ich mal, was passiert.
Eine der bereits bekannten großköpfigen Animationsmarionetten, über die ich mich bereits in einem vorangegangen Beitrag beschwert habe, steht am Coke Light-Automaten und kauft so lange Cola, bis sie leer ist. Dadurch wird ein Getränkelieferant auf den Plan gerufen, der wahrscheinlich attraktiv sein soll, aber kaum mehr Charme haben kann, als die schmeißfliegenartigen Frauen in der Reihe.
Eben erwähntes Puppenweibsbild freut sich nun darüber, dass der Getränkemann kommt und neue Cola bringt, hat jedoch durch die vielen gerade gekauften Flaschen, die sie in ihrer Handtasche lagert, dezente Gleichgewichtsstörungen und kippt rückwärts um.
Und nun:
Wie bitte? Ihr bringt allen Ernstes noch einmal den selben Werbespot wie schon vor, ich weiß nicht mehr, 10 Jahren (?), der damals Sinn ergab, weil ein echter Mann mit echten Frauen geflirtet hat, nur diesmal verkürzt und so stillos animiert?
Wenn Coke Light nicht ohnehin ein nicht kaufenswertes, da geschmackloses Gesöff wäre, wäre der aktuellste Werbeclip für mich endgültig Grund genug, niemals dieses Produkt zu erwerben.

Da wir schonmal beim Thema sind: Abgesehen davon, dass Coca Cola seine Lightreihe nicht gut zu vermarkten weiß, versucht der Konzern aktuell offenbar alles zu vermarkten, was in irgendeiner Form vermarktbar ist.
Es gibt Werbung für Coca Cola, Coca Cola Light und Coca Cola Zero. Bis hierhin in Ordnung, drei verschiedene Produkte, drei verschiedene Zielgruppen, drei verschiedene Spots.
Aber ist es wirklich nötig, nun auch noch die Kisten zu bewerben, mit denen man all diese Produkte transportieren kann? Und musste es wirklich sein, dieser Kiste auch noch den unfassbar kreativen Namen "Kurt die Kiste" zu geben?
Die Colakisten gibt es schon sehr lange und in der vergangenen Zeit hat sich weder an ihrem Design noch an sonstigem Änderbaren irgendwas geändert.
Wieso also jetzt Werbung dafür machen? Und sogar noch Zusatzanreize geben, diese Kisten zu kaufen? Denn man bekommt derzeit ein Cokeglas geschenkt, wenn man eine volle Kiste (12x 1 Liter) Coke/etc. kauft.
Möglich, dass sich durch den Spot der Gesamtverkauf an Cokeprodukten erhöht. Trotzdem kein Grund, alles anzupreisen, was anpreisbar ist.


Wahrlich enttäuscht bin ich derzeitig von zalando.de. Die ersten Werbefilme waren noch kreativ und gut, nicht übertrieben oder derartig zusammenhangslos wie der aktuelle Film mit dem Lieferanten im Nudistencamp.
Der erste Clip, ihr erinnert euch vielleicht: Typ im Schrank, warnt Männer davor, Frauen in ihrem Umfeld zalando.de entdecken zu lassen. Guter Film, schöne Idee, guter Witz mit dem Schrei vom Lieferanten.
Der zweite Clip war ähnlich, es gab irgendeine Aktion von zalando, ich weiß nicht mehr, welche, aber: auch gelungen.
Selbst den dritten und vierten Clip, in dem die Schuhe in die Hippiekommune geliefert werden, fand ich noch in Ordnung und gar nicht mal so unoriginell.
Allerdings ist das, was sie uns nun vor den Latz knallen, der letzte Mist.
Der Zalandolieferant kommt, wie bereits eingans erwähnt, mit der Schuhlieferung in ein Nudistencamp und wird von zwei nackten, kreischenden Frauen empfangen. Daraufhin kommt eine ganze Kolonne nackter Menschen, angeführt von einem etwas stärker gebauten Mann, der fragt, was "das denn hier" sei, woraufhin ihm die Frauen das Prinzip der versandkostenfreien Schuhe erklären. Seine Antwort: "sofort ausziehen". Doch meint er nicht die Schue, sondern den armen Lieferanten, der daraufhin schreit. Und nun kommt der Schrei, der mit dem Lieferanten in ersten zalando.de-Clip eingeführt wurde und damals einer der größten Pluspunkte für die Werbung war. Nur kommt er nicht, was sinnvoller gewesen wäre, vom Lieferanten, sondern von dem dicken Nackten, was absolut keinen Sinn ergibt, da es für ihn keinen Anlass gibt, zu schreien.
Die Werbung ist unlogisch, unstrukturiert und der Running Gag mit dem Schrei wertet dies bei Weitem nicht auf, sondern, da so plump eingesetzt, sogar eher ab.
Hoffen wir auf Besserung.


Ich weiß nicht, ob sie faul oder unfassbar kreativ sind, aber die Idee, einen Werbespot zu machen, indem Leute einen möglichen Werbespot erzählen, finde ich doch irgendwie fraglich. Ganz besonders, wenn man dann sieht/hört, was dabei rauskommt, wenn sich Leute Werbung ausdenken sollen:
Bionade, was soll das? Ist es wirklich so schwierig, deine Produkte zu vermarkten, so dass du auf die Ahnungslosigkeit möglicher Konsumenten zurückgreifen musst? Solltest du dir nicht vielleicht eher etwas überlegen, was irgendwie ansprechender ist? Glaubst du im Ernst, es motiviert Leute, sich überteuerte Limonade aus biologischer Produktion zu kaufen, nur weil du ihnen irgendetwas Zusammenhangsloses vorquatschen lässt, was weder mit dem Produkt an sich noch mit irgendetwas anderem, zum Beispiel deiner Firmenpolitik etc. zu tun hat?
Ich bin nicht überzeugt.

Nun möchte ich noch zwei Produkte ansprechen, deren Werbefilme weder besonders gut noch besonders schlecht sind, die jedoch hier erwähnt werden dürfen, weil ich das Produkt an sich sehr fragwürdig finde.

Probiert habe ich beide noch nicht, jedoch habe ich das auch nicht vor, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass der Homann Geflügelsalat Hawaii, den Barbara Schöneberger bewirbt, gut schmecken kann. Huhn mit Obst (Ananas und Mandarine! Und das in dieser Bindemittelsoße! Bäh!) ist wirklich nicht meins.
Pfui, Homann, pfui.

Das andere Produkt ist Philadelphia mit Milka. Und da frage ich mich dann doch ganz ehrlich: Wer kommt denn auf die Idee, Frischkäse und Schokolade zu mischen? Diese Idee klingt so pervers, dass mir übel wird, wenn ich nur daran denke.
Wer weiß, vielleicht schmeckt's ja wirklich, aber ich werde die Finger davon lassen.

Gut, ich denke, das reicht für's Erste, aber ihr wisst ja: Irgendwann komme ich wieder.

Mit sozialistischem Gruß,

Fräulein Kacka

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